Kategorie: Lifestyle

Die Sache mit dem Brett

Um ein paar witzige Begebenheiten aus meinem Leben hier zu erzählen, muss ich vorweg eine Beschreibung Tarifas aus ökologischer und geographischer Sicht geben:

Tarifa ist der südlichste Punkt des europäischen Festlandes. Es gehört zur Provinz Cadiz in Andalusien.  Tarifa hat ca. 20.000 Einwohner, die nächstgrößere Stadt ist Algeciras. Die nächsten Flughäfen befinden sich in Malaga (150km), Jerez de la Frontera (135km) oder Gibraltar (40km).

Von Malaga führt die AP 7 (Autopista 7) bis Algeciras. Von dort aus geht es 20km auf die einzige Straße die nach Tarifa führt, die Carretera Nacional N340. Landschaftlich wunderschön mit Blick auf den Felsen von Gibraltar, allerdings meist einspurig, sehr kurvig und im Sommer auch gut befahren. Vor allem ab Freitagmittag, wenn auch die Einheimischen aus den umliegenden Dörfern zu ihren Strandhäusern fahren.

Zum alltäglichen Leben bekommt man in Tarifa eigentlich alles was man braucht. Es gibt 3 große Supermärkte (Mercadona, Lidl u Dia Maxi), die Markthallte in der Altstadt für frischen Fisch, Obst und Gemüse und viele kleine lokale Läden wie Obsthändler, Fleischer, Bäcker etc.

95% aller Haushaltgegenstände, Werkzeug, Garten- u Bastelzubehör kann man in einem der Bazaare kaufen. Eine Freundin hat diesen in den Magic Chinese umgetauft, weil man wirklich zwischen Bratpfannen, Bettwäsche, Scheibenwischern, Blumentöpfen, Schulheften, Strandartikeln usw. alles findet was man braucht, man muss nur richtig suchen. Etwas problematischer wird es, wenn man etwas Spezielles benötigt.

Es gibt 2 sehr kleine Möbelgeschäfte, die von sehr beschränktem Preisleistungsangebot sind. Somit bin ich tatsächlich einmal für ein Badezimmerregal zu Ikea in Malaga http://www.ikea.com gefahren.

Auch ein Baumarkt, wie wir ihn aus Deutschland kennen, findet man in Tarifa nicht, aber es gibt die Ferreteria. Die muss man sich vorstellen wie ein Minibaumarkt. Das Personal dort ist wahnsinnig nett und zuvorkommend, man hat mir dort schon mal Schrauben von 3cm Durchmesser und 1m Länge durchgeflext, so dass ich die benötigten 4 Schrauben von 50cm Länge hatte, und das ohne Aufpreis.

Gut, manches muss man aber einfach im Baumarkt kaufen. Somit auf zu Leroy Merlin nach Los Barrios, 30 km von Tarifa entfernt. Hier findet sich ein riesiges Industriegebiet mit Media Markt, Decathlon, Jysk (die spanische Variante vom dänischen Bettenlager), Carrefour etc. Für eine einzige Sache lohnt sich allerdings die Fahrt nicht, somit wartet man dann meist bis man einige Besorgungen auf der Liste hat.

Und jetzt komme ich zu dem Brett!

Ich habe auf meinem Grundstück noch ein weiteres kleines Gebäude mit 3 Räumlichkeiten. Dies wurde ursprünglich mal als Pferdestall gebaut, meine Vormieterin, die Fitnesstrainerin war, hat es als Studio genutzt und ich wollte halt einen Gästebereich daraus machen. 2 der Räume haben allerdings keine richtigen Fenster. Somit hatte ich schon während der Renovierung aus großen Rahmen und Moskitonetzen Innenfenster gebastelt. Allerdings hätte ich gerne noch Fensterläden für den Außenbereich gehabt, die vor Nässe und Kälte schützen sollten. Wie der Zufall es wollte, habe ich ein passendes Brett auf dem Sperrmüll gefunden. Somit fehlte mir aber das Zweite.

Allerdings hatte ich keine Lust für ein einziges Brett nach Los Barrios zu fahren. Eine Schreinerei hatte ich bis dato in Tarifa noch nicht entdeckt und Google gab auch nichts her. Ich erinnerte mich, dass ich in einer Seitenstraße mal einen Glaser entdeckt hatte. Also bin ich hingefahren um zu fragen, ob er evtl. ein Brett hat. Er zeigte auf einen, in der Schlange vor der Werkstatt, wartenden älteren Herrn: „frag ihn, er hat Holz“. Also sprach ich den Mann einfach an. „Wie groß muss das Brett sein? Ok, habe ich da. Komm runter zum Hafen, in der Nähe der Guardia Civil zwischen der Bar X und der Bar XY ist ein großes Holztor, warte dort auf mich in 30 Minuten.“  

Ich erledigte meine anderen Pläne und fuhr dann zum Hafen. Ich fand tatsächlich dieses Tor, darauf ein Pappschild mit dem Namen Pepe und einer Telefonnummer, mit einfachem Kuli geschrieben. Unglaublich aber wahr, Pepe fuhr pünktlich vor, öffnete das Garagentor und die sich dahinter befindliche Schreinerei. Ich bekam mein Brett mit den gewünschten Maßen für kleines Geld und war glücklich.

Ein anderes Mal wurde ich auf der Suche nach einem Gästebett beim lokalen Elektrohändler fündig, der mir dieses auch noch frei  Haus lieferte.

So funktioniert Tarifa!!!! Du musst an den unmöglichen Orten nach dem gewünschten suchen, du findest es garantiert da, wo du es niemals vermuten würdest. Und auf dem Weg lernst du viele nette, hilfsbereite Menschen kennen.

Tarifa Playas – Die Strände von Tarifa

In Tarifa, an der kleinen Insel Isla de Las Palomas, treffen Mittelmeer und Atlantik aufeinander. Nur ein kleiner Steg trennt die beiden Meere.

Isla de Las Palomas, Tarifa

Playa Chica

Auf der linken Seite, in Nähe des Hafens, befindet sich die kleine Bucht Playa Chica. Hier badet ihr also im Mittelmeer. Man sagt, dass dieser Strand windgeschützter ist als die Atlantik Strände und deshalb bei Levante angenehmer ist. Ich muss gestehen, ich habe hier noch nie ein Sonnenbad genossen, weil mir persönlich der Strand zu klein ist. Aber es ist eine schöne Bucht mit direktem Blick auf Marokko.

Playa Chica

Los Lances Sur – der Stadtstrand

Der längste und breiteste Strand in Tarifa. Ihr findet ihn direkt an der Atlantik Seite der Isla de las Palomas. Mit über 7 km Länge und ca. 50 m Breite ein wundervolles Stück Natur. Außerhalb der Hauptsaison finden sich hier jegliche Art von Wassersportlern, besonders die für Tarifa bekannten Surfer und Kiter ein. Die Felsen der Isla de las Palomas sind auch bei Tauchern sehr beliebt. Und zum Sonnenuntergang sind selbstverständlich auch die Angler zur Stelle. Aber man kann hier auch aufgrund seiner Größe, ein entspanntes Sonnenbad nehmen, einen ausgedehnten Beachwalk machen, oder in einer der coolen Beachbars (zu den Beachclubs werde ich noch einen extra Beitrag veröffentlichen) bei guten Drinks und tollem Essen, einfach chillen.

Wer allerdings Unmengen von Sonnenliegen und Schirmen, Strand Animation oder Bananenboot bevorzugt, der wird hier nicht fündig werden. Tarifa ist Natur pur. Alle paar 100 Meter findet ihr einen der coolen Beachclubs, die auch ein paar Sonnenliegen anbieten, ansonsten liegt man hier im Sand oder bringt seine eigenen Liegen und Schirme einfach mit.

Los Lances Sur

Bei Levante allerdings, hat man während des Sonnenbads ein permanent Peeling inclusive. Mittlerweile weiß ich, dass man sich dann besser in die Dünen legt, oder einfach einen schönen Ausflug in die nähere Umgebung macht. Meist hält sich der Wind 2 bis 3 Tage und flacht dann ab. Gerade im Juli und August hat der Levante, der Wind aus der Wüste, hier gerne das ein oder andere Gastspiel.

Auch am Abend zum Sunset ist der Los Lances ein beliebter Treffpunkt. Die einen sind erst gar nicht heim gegangen, die anderen sind auf dem Weg in die Altstadt, Läufer joggen auf dem Passeo Maritimo, Hundebesitzer lassen ihre Lieben hier ausgiebig spielen und manchmal reitet auch der ein oder andere andalusische Reiter vorbei. Doch auch in all diesem Treiben spürt man den Tarifavibe, diese entspannte und friedliche Atmosphäre, manchmal auch begleitet von ein paar Gitarrenklängen der am Strand verweilenden Musiker.

Los Lances Sur

Los Lances Norte – La Pista

Am Los Lances Norte, von den Einheimischen „la Pista“ genannt, befindet sich der Hotspot der Kiteschulen. Täglich sind zwischen Beachbar Aqua und Waves Beach Bar die Kitelehrer mit ihren Schülern am Start. Hier ist der Sand etwas gröber als am Los Lances Sur und auf dem Weg zu seinem Platz muss man schon mal aufpassen, dass man nicht über die Leinen der Kites stolpert, aber dafür ist hier auch jede Menge los. Mein absoluter Favorit unter allen Stränden Tarifas.

La Pista, Los Lanches Norte

Ein paar Meter weiter findet sich der Reitstall Aventura Ecuestre, direkt am Hotel Dos Mares. Nach dem Motto „das Glück der Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde“, kann man hier direkt am Strand langgaloppieren, durch Pinienwälder reiten und auch Wanderritte buchen. Ich habe es selbst schon ausprobiert und es war wirklich cool.

Valdevaqueros

Valdevaqueros, Tarifa

Hier ist während der Hauptsaison der Treffpunkt der erfahrenen Kiter. Wer hier dem Wind standhält, der beherrscht seinen Sport auf jeden Fall. Auch hier findet ihr wirklich gute Beachclubs wie das El Tumbao z.B., in denen es am Wochenende angesagte Beachpartys gibt.

El Tumbao, Valdevaqueros

Der einzige Nachteil sind hohe Parkgebühren während der Hauptsaison.

Valdevaqueros, Tarifa

Sehr gute Bewertungen hat der Camping Platz Torre de la Pena in der Nähe des Valdevaqueros erhalten. Hier treffen sich Kitesurfer aus aller Welt.

Punta Paloma Playa

Circa 9 km hinter Tarifa liegt die Punta Paloma. Direkt unterhalb der größten Wanderdüne Europas liegt die Playa de Punta Paloma. Ein wunderschöner Naturstrand, allerdings in der Hochsaison mit wenig Parkplätzen. Man muss schon Glück haben, um hier eine der wenigen Parkmöglichkeiten zu ergattern.

Playa de Punta Paloma

Über die Punta Paloma selbst werde ich in einem meiner nächsten Beiträge nochmals ausführlich berichten. Von daher sei hier an dieser Stelle nur erwähnt, dass ihr glasklares Wasser und sehr sehr feinen Sand vorfinden werdet. In der Hauptsaison ist hier allerdings viel los, deshalb gibt es hier auch Lifeguards, Getränkeverkäufer etc. Aber ein Besuch ist diese traumhafte Bucht auf jeden Fall wert.

Es gibt noch einige andere Stände in der näheren Umgebung, aber davon werde ich in einem der kommenden Beiträge berichten.

ES GEHT LOS – MEIN UMZUG NACH TARIFA

Anfang März nahmen meine Pläne endlich Gestalt an. Durch eine Freundin fand ich das für mich perfekte Haus in Tarifa. Ende April sollte es endlich losgehen. Doch meine Geduld wurde nochmals auf die Probe gestellt. Durch die weltweite Pandemie Covid-19 wurden Mitte März alle Grenzen geschlossen, so dass ich über 4 Monate in der Warteschleife saß. Nun ja, ich habe die Zeit sinnvoll genutzt und meinen Umzug gut vorbereitet. Über http://www.clicktrans.com fand ich den passenden LKW, der den Großteil meines Mobiliars zeitgleich transportieren sollte. (An dieser Stelle möchte ich diese Art des Transports nochmal empfehlen, gern kann ich auf Wunsch die Kontaktdaten meines wahnsinnig netten und zuverlässigen Fahrers mitteilen).

Am 30.06.20 ging es endlich los. Es lagen 2489 km vor uns. Wir, meine Freundin, die sich geopfert hat, diese Strecke mit mir zu fahren (ich werde ihr ewig dankbar dafür sein) und ich, hatten beschlossen, 2 Übernachtungen einzuplanen. Somit ging es am 1. Tag über die Niederlande und Belgien nach Frankreich. In Bordeaux machten wir nach 1124 km den 1. Stop und übernachteten im Hotel Altica Bordeaux Floriac www.altica.fr. Es liegt direkt an der Autobahn und ist dennoch ruhig gelegen, mit abgeschlossenem Parkplatz, so dass ein Entladen des Autos nicht nötig war. Wir wurden von sehr nettem Personal und sehr sauberen Zimmern empfangen und verbrachten eine erholsame Nacht dort.

Belgische Grenze
Frankreich
Bordeaux

Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung spanische Grenze zum Grenzübergang Bayonne. Vor uns lagen 993 km, quer durch Spanien. Ein wenig Aufregung verspürte ich schon, da wir einer der ersten sein würden, die die Grenze nach 4 Monaten Schließung überquerten. Wie erleichtert wir waren, als wir einfach durchgewunken wurden. Weiter ging es Rtg. San Sebastian, Bilbao, Valladolid, Burgos/Madrid nach Extremadura. Im Hotel https://www.hotelesacosta.com/ in Almendralejo gab es die 2. Übernachtung. Auch hier kann ich meine Empfehlung aussprechen. Tiefgaragenparkplatz, saubere Zimmer, sehr nettes Personal. Direkt gegenüber eine kleine Bodega in der wir super leckere Tapas und tollen Wein hatten.

San Sebastian

Nach dem Frühstück ging es zum Endspurt auf die letzten 367km Richtung Sevilla/Cadiz/Vejer de la Frontera nach Tarifa. Ein wenig erschöpft und voller Freude erreichten wir mein neues Zuhause gegen Mittag. Wie vereinbart wurden meine Möbel am nächsten Tag geliefert, so dass die ersten Tage mit Möbelaufbau, einrichten, streichen und putzen wie im Flug vergingen. Mit jedem neu aufgebauten Möbelstück fühlte ich mich meiner neuen Heimat verbundener und bis heute habe ich diesen Schritt nicht bereut. In den nächsten Beiträgen werde ich von den ersten Wochen in Tarifa und meinen Erfahrungen berichten.

Tarifa Puerto